Utopien eines Gesundheitsberufenen..

7. Oktober 2010

2003 – Philipp Mißfelder meint, die Sozialsysteme seien „nicht dafür zuständig, dass jeder Senior „fit für einen Rentner-Adventure-Urlaub“ sei. „Ich halte nichts davon, wenn 85-Jährige noch künstliche Hüftgelenke auf Kosten der Solidargemeinschaft bekommen“[1].

Noch erntet Herr Mißfelder scharfe Kritik; aber die Debatte ist eröffnet.

2004 – Das GMG (Gesetz zur Modernisierung des Gesundheitswesen) tritt in Kraft.

Nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel werden von der Erstattung ausgeschlossen. Neue Arzneimittel sollen von einem Institut bewertet werden, welches deren“ Innovationsgehalt“ und „Qualität“ beurteilt. Das Ziel ist die Senkung der Ausgaben für Arzneimittel.

Die Folge: Die Ausgaben für Nasenspray gehen nicht mehr auf Lasten der Gesetzlichen Krankenkassen; die Kosten für innovative, neuartige Arzneimittel lassen das Budget schnell wieder ansteigen.

2006 – Der europäische Gerichtshof weist endgültig die deutsche Klage gegen das Tabakwerbeverbot ab. Der deutsche Fiskus nimmt alleine 2006 fast 13 Milliarden Euro (13.000.000.000 €) an Tabaksteuer ein! Zum Vergleich: im selben Jahr lagen die Arzneimittelausgaben bei 25, 9 Milliarden Euro.

2007 – Die Rabattverträge werden ins Leben gerufen. Die Apotheker sind durch das neue Gesetz dazu verpflichtet, Arzneimittel derjenigen Hersteller abzugeben, mit denen die Krankenkasse Rabattverträge geschlossen hat.

Die Folge: Der bürokratische Aufwand bei der Versorgung der Patienten mit Arzneimitteln nimmt in einem Maße zu, das die eigentliche Aufgabe, die Beratung, immer mehr in den Hintergrund gedrängt wird. Ein erhöhter Verwaltungsaufwand, steigende Lagerhaltungskosten und die Tatsache, dass die Patienten nicht von ihrer Krankenkasse über die Umstellungen vorab informiert wurden, bilden die Basis für die finanzielle Mehrbelastung [1, 2] der Apotheken.

Die Folge: Versicherte, die jahrelang ein für sie gut verträgliches Arzneimittel bekamen, werden auf neue Präparate umgestellt. Der typische Fall aus der Apotheke: Herr M. kann die grünen Tabletten zur Blutdrucksenkung nicht mehr von den anderen grünen Tabletten zur Cholesterolsenkung unterscheiden. Als Folge kommt es zu Über-, beziehungsweise zu Unterdosierungen.

2010 – Das AMNOG – das Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz – wird beschlossen. Alle sollen sparen. Die Pharmaindustrie soll durch die Einführung von „Kosten-Nutzen-Bewertungen“ von der Einführung neuer Arzneimitteln mit nur geringem oder sogar ohne Zusatznutzen abgehalten werden.

Hier kommt jetzt wieder das alte Mißfelder-Zitat zum tragen … was ist den der Nutzen?

2012 – Die Qualität der pharmazeutischen Beratung wird verbessert.

Ab sofort werden die Änderungen im AMG (Arzneimittelgesetz) im ApoG(Apothekengesetz), in der ApoBetrO (Apothekenbetriebsordnung) und dem neuen VerbQNaAvBeAMOTCG (Gesetz zur Verbesserung der Qualität und Nachhaltigkeit bei Abgabe und Beratung zu Arzneimitteln im Bereich der OTC-Produkte) im laufenden Apothekenbetrieb umgesetzt.

Konkret bedeutet dies, dass bei Abgabe eines nicht verschreibungspflichtigen Arzneimittels die Beratung schriftlich dokumentiert und den zuständigen Behörden (BfArM) sowie der jeweiligen Krankenversicherung und dem Hausarzt übermittelt werden muss. Die Aufbewahrungspflicht dieser Dokumentation beträgt 30 Jahre. Unterschieden wird zusätzlich zwischen Primär- und Ersatzkassen; letztere verlangen die Dokumentation zusätzlich in elektronischer Form. Die geschieht über die Anbindung an ein neu gegründetes Internetportal … für jede Krankenkasse ein anderes mit verschiedenen Gebührensätzen und Anforderungen an die Ausbildung des Bedieners. Ausgenommen sind Versandapotheken; für sie gelten aus Gründen des Bestandsschutzes diese Reglementierungen nicht.

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weist deutsche Klage gegen Tabakwerberichtlinie ab

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Das hab´ ich mir gleich gedacht …

7. Oktober 2011

Donnerstag Nachmittag betritt ein Mann, etwa Mitte Fünfzig, die Apotheke und legt ein wenige Tage zuvor gekauftes Blutdruckmessgerät in seiner Verpackung auf den HV-Tisch (so nennen die Apotheker den Verkaufstisch) und beginnt eine jüngere Kollegin, eine PTA,  nach der Funktionsweise auszufragen. Nachdem die Unterhaltung einige Zeit schleppend voran geht, packt er das Messgerät aus und zeigt auf das Display.

Messgerät

Messgerät

Kunde: „Das Gerät zeigt ja gar nichts an“

PTA: „Ja, was zeigt es denn nicht an?“

Kunde: „Ja, eben gar nichts. Wenn man da drauf drückt (zeigt auf den Ein/Aus -Knopf) geht es sofort wieder aus.“

PTA: „Da liegen ja auch die Batterien noch im Karton. Haben sie die denn eingesetzt?“

Kunde: „Natürlich habe ich die eingesetzt. Wissen sie, das ist ja für meine Tochter. Ich habe das ja nur mitgebracht.“

PTA: „Aha.“

Kunde: „Vielleicht kann ihr Chef uns ja helfen? (Zeigt auf mich)“

PTA: „Ja, fragen wir ihn.“

Apotheker: „Ich habe ihren Ausführungen folgen können. Die Batterien können ja leer sein; vielleicht sollten wir sie mal testen.“

Jetzt setze ich die Batterien ein und greife nach der Oberarmmanschette …

Apotheker: „Die ist ja noch verpackt?“

Kunde: „Mhh??“

Apotheker: „Ich sagte, die ist ja noch verpackt!“

Kunde: „Ja, ich hab meiner Tochter auch gesagt, also wissen sie, das Gerät ist nämlich für meine Tochter, also, ich hab´auch schon gesagt, das muß da bestimmt dran.“

Manschette

Manschette

Apotheker. „Sie hatten die Manschette gar nicht an dem Messgerätangeschlossen?“

Kunde: „Also, meine Tochter hatte die da nicht dran … glaube ich.“

Apotheker: „Wie soll die Oberarmmanschette denn aufgepumpt werden? Natürlich müssen sie die zuerst hier an der Seite anschliessen, erst dann arbeitet das System.“

Jetzt entnehme ich die Manschett aus der transparenten Verpackung, schliese sie seitlich an, lege sie um meinen Oberarm, starte das Messgerät mit einem Druck auf den Knopf und sehe zu, wie das Gerät beginnt zu arbeiten.

Apotheker: „Geht doch. Sie müssen halt den Schlauch hier anschliessen.“

Kunde: „Das hab´ich mit gleich gedacht.“

Lebertran 2.0

28. Juli 2011

Begleitend zur Neueinführung von Produkten erhalten Apotheken neben dem üblichen Infomaterial, wie Broschüren, Produktinformationen für Fachkreise und ähnlichem manchmal auch Produktproben.

So kam letzte Woche ein Paket von Doppelherz, in dem sich unter anderem eine Probe des neuen Doppelherz system OMEGA-3 Junior befand. Dabei handelt es sich, laut Herstellerangabe, um „… fruchtig schmeckende Gel-Tabs … zum Kauen mit Zitronengeschmack“.

An sich ist die Idee, Omega-3-Fettsäuren zu substituieren, keine schlechte Idee. Früher bekamen Kinder ja Lebertran, um einen Vitamin D-Mangel auszugleichen und damit diente es unter anderem zur Rachitisprophylaxe. Wer jemals Lebertran schlucken muste, kennt dessen Geschmack!

Jedenfalls habe ich die Verkostung der fruchtig schmeckenden Gel-Tabs, die “ … Dank einer neuen Herstellungstechnologie … einen hohen Gehalt der wertvollen Omega-3-Fettsäuren …bieten“ durch meine Kinder vornehmen lassen wollen. Schließlich ist das die Zielgruppe.

Doppelherz system OMEGA-3 Junior

Quelle: Doppelherz

Die Gel-Tabs sind gelb, klittschig und riechen nach Fischöl. Erwartungsgemäß haben meine Kinder sie schneller ausgespuckt, als ich sie fangen konnte … und die mögen normalerweiseso kinderuntypische Dinge wie Sushi! Mein Urteil: Wiedereinführung des Lebertrans mit anderen Mitteln.

Daher mein Appell an die Firma Doppelherz: Bitte tun sie sich selbst und allen Kindern einen Gefallen; nehmen sie das Produkt wieder vom Markt. Kinder, die ihr Produkt einmal einnehmen müssen, holen sie als Erwachsene nicht wieder zurück. Das Logo der Verpackung wird sich in die Kinderhirne einbrennen und später, bei den dann erwachsenen Konsumenten, immer wieder aus den Tiefen der Erinnerung melden.

 

G-BA und SGB V – oder „Was ist ein Festbetrag?“

13. Juli 2011

Eine Stammkundin betritt die Apotheke, legt ein Rezept vor und erzählt ein bisschen von ihrem letzten Urlaub. Während ich nach den verordneten Arzneimitteln suche, flimmert auf meinem Bildschirm das Präparat Atmadisc Forte 50ug/500ug auf.

Jetzt muß ich der Kundin klarmachen, dass sie statt wie beim letzten mal 10 € heute 103,57 € zuzahlen muß, weil es sich um eine sogenanntes Arzneimittel mit Festbetrag handelt. Der Betrag errechnet sich aus der regulären Zuzahlung von 10 € plus dem Festbetrag von 93,57 €.

Was hat es mit diesen Festbeträgen auf sich? Woher kommen sie?

Das DIMDI schreibt dazu auf seiner Webseite:  „Der Festbetrag eines Arzneimittels ist der maximale Betrag, den die gesetzlichen Krankenkassen für dieses Arzneimittel bezahlen.

Weiter heißt es: „Ist sein Verkaufspreis höher als der Festbetrag, tragen Patienten in der Regel die Differenz zum Festbetrag entweder selbst oder erhalten ein anderes – therapeutisch gleichwertiges –  Arzneimittel ohne Aufzahlung.“ – Aufzahlung heißt übrigens nicht Zuzahlung – das ist wieder etwas anderes.

Ja, aber wenn die Krankenkassen doch nur einen maxiamlen Betrag für dieses Arzneimittel zaheln, wieso soll ich jetzt so viel dazu zahlen? Warum kostet das nicht nur 10 €, so wie letzten Monat?

Nun, das liegt daran, das der Hersteller dieses Arzneimittels sagt: „Liebe Krankenkasse, das ist schon in Ordnung, dass du nur diesen Betrag zahlst. Allerdings ist unser Produkt mehr Wert! Wenn der Patient also dieses Arzneimittel haben möchte, der Arzt es verordnet hat etc., dann zahlt er halt die Differenz.“

Soweit so gut. Aber darf der Hersteller das denn? Oder darf die Karnkenkasse denn willkürlich einen Betrag festsetzen? Schließlich hat der Hersteller ja irgendwann mal viel Geld in die Entwicklung  (und Vermarktung) gesteckt. Er hat das Recht diese Kosten wieder zu erwirtschaften. Aus eben diesem Grund gibt es ja einen Patentschutz. Erst wenn dieser abläuft, können Generikafirmen mit der Produktion günstigerer Präparate anfangen.

Wer also legt diese Beträge fest?

Es ist der gemeinsame Bundesausschuß G-BA. Wiederum beim DIMDI finden wir dazu folgende Bemerkung: „Festbeträge werden in einem zweistufigen Verfahren festgelegt:

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) bestimmt, für welche Gruppen von Arzneimitteln Festbeträge festgesetzt werden können. In diesen Gruppen werden Arzneimittel mit denselben oder pharmakologisch-therapeutisch vergleichbaren Wirkstoffen sowie mit therapeutisch vergleichbarer Wirkung zusammengefasst.

Der Spitzenverband Bund der Krankenkassen (GKV-Spitzenverband) setzt für jede vom G-BA gebildete Festbetragsgruppe einen Festbetrag fest. Gesetzliche Grundlage dieses Verfahrens ist § 35 Abs. 1 und Abs. 3 des Fünften Buches Sozialgesetzbuch (SGB V). Die Kriterien zur Höhe des jeweiligen Festbetrages sind ebenfalls gesetzlich geregelt (§ 35 Abs. 5 SGB V).

Wer oder was ist dieser Gemeinsame Bundesausschuss G-BA?

Auf seiner Internet-Seite schreibt er dazu:

„Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) wurde am 1. Januar 2004 durch das Gesetz zur Modernisierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GMG) errichtet. Mit der Gesundheitsreform des Jahres 2007 (GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz) wurde die bis dahin sektoral organisierte Struktur des G-BA geändert.

Seit dem 1. Juli 2008 werden alle Entscheidungen in einem einzigen sektorenübergreifend besetzten Beschlussgremium für ambulante, ärztliche und zahnärztliche, sowie stationäre Belange getroffen

Kommen sie noch mit?

O.K., dann also weiter. Wie oben angegeben, handelt es sich um ein vom Gesetzgeber installiertes Verfahren im Rahmen der Modernisierung der Krankenversicherung. Der G-BA hat 13 Mitglieder, unparteiische und parteiische. Das sind

Im übrigen können auch

Organisationen, die auf Bundesebene maßgeblich die Interessen von Patienten sowie der chronisch kranken und behinderten Menschen in Deutschland wahrnehmen, haben vom Gesetzgeber ein Mitberatungs- und Antragsrecht im G-BA erhalten (§ 140f SGB V).

Verstanden?

Dann also weiter. Nach welchen Kriterien legt den der G-BA nun diese Kostenhöchstgrenzen fest? Wie schon o.a. geschieht dies natürlcih nicht wie auf einem orientalischen Basar! Es gibt handfeste gesetzliche Vorgaben, nämlich den schon zitierten Paragraphen 35 des Sozialgesetzbuches V. Auf der Seite des G-BA finden wir dazu den Hinweis

„Die Verfahrensordnung des Gemeinsamen Bundesausschusses regelt vor allem methodische Anforderungen an die wissenschaftliche Bewertung des Nutzens, der Notwendigkeit und der Wirtschaftlichkeit von Maßnahmen als Grundlage für Beschlüsse. Weiterhin werden hier Regelungen für Anforderungen an den Nachweis der fachlichen Unabhängigkeit von Sachverständigen und das Verfahren der Anhörung zu den jeweiligen Richtlinien, insbesondere die Feststellung der anzuhörenden Stellen, die Art und Weise der Anhörung und deren Auswertung getroffen.“

So weit so klar?

Hier wollen wir es mal bei der Darstellung des Verfahrens belassen. Meine Aufgabe bei der Abgabe des Arzneimittels (Anwendung, Dosierung, Hinweise auf Nebenwirkungen, Abklärung der Verträglichkeit beim Vorliegen weiterer Erkrankungen, eventuelle Rückfragen beim verschreibenden Arzt etc.) sind also, verständlicherweise, noch um die o.a. Erläuterungen zu ergänzen. Schließlich hat jeder Versicherte ein Recht darauf zu erfahren, warum er letzten Monat noch viel weniger zuzahlen musste.

Mach ich doch gerne. Und wenn dann noch Fragen sind, wenden sie sich doch einfach mal an ihre Krankenkasse. Die Servicenummern finden sie auf der entsprechenden Homepage.

 

 

Anmerkung: Zum Glück existiert bei einigen Krankenkassen ein Rabattvertrag über ein gleichwertiges Arzneimittel, bei dem keine über die reguläre Zuzahlung hinausgehenden Beträge zu leisten sind. Aber genauso wie sich die Festbeträge im Quartalsrhythmus ändern, tun das die Rabattverträge auch.

Notdienstrezepte – die zweite

8. Juli 2011

In unmittelbarer Umgebung zu unserer Apotheke liegt ein Krankenhaus, in dem die hier niedergelassenen Ärzte eine gemeinsame Notdienstpraxis betreiben. Das ist eine tolle  Einrichtung, hat man doch im Falle einer plötzlichen Erkrankung am Wochenende oder in der Nacht immer eine feste Anlaufstelle. So weit so gut.

Wer also Halsschmerzen hat, bekommt ein Rezept über ein Halsschmerzmittel, manchmal noch ein Antibiotikum dazu. Menschen mit Magen-Darm-Symptomen erhalten ein Rezept über ein Antidiarrhoikum, eine Prokinetikum und vielleicht noch ein Antiemetikum. Hier könnte man noch einige andere Beispiele nennen.

ABER! …

… in einigen Notdiensten beobachte ich folgendes Phänomen: Alle Patienten scheinen in dieser einen Nacht die selben Symptome zu haben, an den selben Erkrankungen zu leiden und vor allem müssen sie sehr starke Schmerzen haben.

… auf jedem (!) Rezept finden wir folgende Arzneimittel verordnet:

  1. Imbun
  2. Novalgin
  3. Tramadol

Da fragt sich der notdiensthabende Apotheker nach dem fünften Rezept natürlich „Hat den heute keiner Halsschmerzen, Durchfall, Husten, oder sonstiges? Ist da Niemand mit einer Infektion der Augen, Magenkrämpfen oder Ohrenschmerzen?“

… und dabei liegt die Lösung doch so klar vor einem! Im Notdienst sitzt ein Chirurg! Das sind die einzigen Arzneimittel, die er kennt! Egal mit welchen Symptomen man also in die Notdienstparxis kommt, es wird halt irgenwas weh tun und da hilft die obige Kombination auf jeden Fall!

Donadrin oder so??

5. Juli 2011

Eine neue Anekdote aus der Apotheke …

Umweht von einem leichten Hauch von Mariacron, betritt eine etwas ältere, nicht ganz modern gekleidete Dame die Offizin.

Apotheker: „Guten Tag.“

Kundin: „Guten Tag, wissen sie, ich habe manchmal so was in den Beinen und ich habe auch schon meine Wechseljahre gehabt.“

A: „Was genau haben sie den in den Beinen?“

K: „Ja, wissen sie ich hab so was in den Beinen … so, in den Beinen halt … ich hatte ja schon meine Wechseljahre, weil ich bin ja schon 59 Jahre, wissen sie?“

A: „Ja, das sagten sie bereits. Was haben sie den nun in den Beinen?“

K: „Ich habe in den Beinen, also ich habe da so, ähh … (gefühlte 30 Sekunden und 13 Ähh später) .. also ähh, ich hatte ja schon meine Wechseljahre, wissen sie?“

A: „JA! Haben sie Krämpfe?“

K: “ Nein.“

A: „Leiden sie unter Osteoporose?“

K: „Nein, aber ich hatte ja schon meine Wechseljahre!“

A: „Schmerzen ihre Gelenke?“

K: „Ja, eine Freundin hat mir gesagt, es gibt etwas dagegen … in der Apotheke … Donadrien oder so.“

A: „Das heisst Dona und kann ihnen helfen bei Arthrose-Beschwerden.“

K: „Nee, das heißt Donadrien oder so; hat meine Freundin gesagt“

*Oder so …, das liebe ich ja. Leute, schreibt euch den Namen doch auf!*

A: „Sie meinte wahrscheinlich Dona als Getränk, vielleicht sagte sie Dona Drink? Wir haben das allerdings nur als Kapseln vorrätig. Die Beutel mit Pulver zur Herstellung eines Drinks muss ich Ihnen bestellen.“

K: „Das haben sie nicht da?“

*Was habe ich den gerade gesagt?*

A: „Nein!“

K: “ Was kosten den die Kapseln?“

A: „Sechzig Kapseln kosten 49,90 €.“

K: „Mhh.“

* Auch mhh*

A: „Wir hätten aber auch ein günstigeres Alternativ-Präparat vorrätig.“

K: „Kann ich das mal sehen?“

*Da bin ich mir nicht sicher*

A: „Ich hole es Ihne gerne.“

Apotheker holt das Präparat aus dem Schubregal.

A: „Hier bitte schön.“

K: „Mhh.“

A: “ … “ * Ich habe erst in 4 Stunden Feierabend und die Leute hinter dir warten bestimmt gerne noch etwas*

K: “ … und ist da auch Cannabis drin?“

A: „???. Definitiv nicht!“

K: „Da ist also kein Cannbis drin?“

*Wenn da Cannbis drin wäre hätte ich auch Arthrose … und zwar eine ziemlich schwere*

A: „Nein!“

K: “ Aber es gibt doch da was neues mit Cannabis drin. Hab ich gelesen.“

A: „Ja, seit 01. Juli.“

K: „Na sehen sie, sag ich doch.“

A: „Erstens ist das nicht gegen Arthrose, sondern wird bei MS-Patienten verwendet und zweitens gibt es das nur mit einem Rezept vom Arzt.“

K: „Bei MS-Patienten?. Also nicht für die Beine?“

A: „Nein!“

K: „Und das gibt es nicht ohne Rezept? Ich zahle das ja auch.“

A: „Nein.“

K: „Können sie mir das aufschreiben?“

A: „Sicher nicht! Fragen sie doch einfach ihren Arzt; weil wissen sie, ich darf das nur bei MS-Patienten aufschreiben.“

K: „Wirklich?“

A: „Nein, das war ein Witz! Hier nehmen sie den Zettel und gehen sie damit zu irgenddeinem Arzt.“ *Der wird sich freuen*

K: „Was kostest das denn?“

A: „607,66 €.“

K: „Was ? So teuer? Aber wenn ich doch ein Rezept bekomme?“

A: „Darüber bekommen sie keins!“

K: “ Wieso?“

A: „Weil sie kein MS haben!“ *Obwohl … irgendwas müssen sie am Hirn haben … *

K: „Und ohne Rezept bekomme ich das nicht?“

A: „Tschüss!“

Übrigens sollte das Donadrin wahrscheinlich Dronabinol heißen.

Notdienstrezepte

29. Juni 2011

Mal wieder Notdienst und endlich Zeit, etwas in dem Blog zu schreiben.

Mein bevorzugten Rezepte im Notdienst sind solche, bei denen der verschreibende Arzt einen Reimport verordnet! Die Kollegen wissen, was ich meine; es ist nahezu unmöglich, diese korrekt zu beliefern und man muss damit rechnen, von der Krankenkasse retaxiert zu werden.

Gerade hatte ich wieder den Fall, das ein Rezept über Fenistil Tropfen Beragena ausgestellt wurde … das Budget des Arztes wird beim deutschen Präparat mit 6,62 € belastet, die Reimporte kosten zwischen 5,40 € und 5,94 €. Jetzt kann man natürlich sagen „Kleinvieh macht auch Mist“, aber, liebe notdiensthabenden Ärtze, macht das nicht im Notdienst. Wir haben die größten Schwierigkeiten damit und letztendlich geht es im Notdienst immer um eine Akutversorgung.

Daher meine Bitte: Bevor der Finger die Entertaste niederdrückt, nochmal schauen, dass man das Original verordnet. Was am nächsten Tag, im regulären Dienst verordnet wird, ist wieder eine andere Sache.

Die Apotheken-Rundschau

28. Juni 2011

Die Werbung läuft tagtäglich im Fernsehen und im Radio, die Kunden bekommen sie im 14-Tage-Rhythmus in der Apotheke als Mitgabeartikel in die Tüten gepackt … aber kaum eine / einer kann sich den Namen merken 😉

„Geben sie mir bitte auch eine Apotheken-Rundschau?“

Leute, ganz ehrlich, wenn man sich Umckalobao nicht merken kann, ist das schon in Ordnung. Steht jemand stotternd in der Apotheke und verlangt: “ … Umla, Ulack, ähh, diese Tropfen für den Husten…?“, dann weiß ich, was er / sie will.

Aber bitte, es ist hier doch ganz einfach … sprechen sie folgende Wörter einmal langsam und deutlich aus:

Erst „Umschau“, … dann einen kleine Pause und jetzt sagen sie  „Rundschau“.

Haben sie den Unterschied bemerkt? Na also, beim nächsten mal sagen sie zwar wieder „Geben sie mir bitte eine Apotheken-Rundschau“, aber ich weiß ja auch so, was sie wünschen …

Keine Angst vor Cortisol

27. Juni 2011

Cortisol ist ein Hormon, das der Körper selbst produziert, und zwar in der Nebenniere. Es steuert einige Mechanismen des Immunsystems, des Mineralstoff-, Eiweiß- und Fettstoffwechsels.

Strukturformel Cortisol

Cortisol

Wegen seiner Funktion für die Reaktion des Körpers auf Stress wird es auch als Stresshormon bezeichnet. Außerdem wird es bei allergischem Schock als lebensrettende Maßnahme gegeben.

Viele Patienten, die von ihrem Arzt Cortisol verschrieben bekommen, haben aufgrund der möglichen Nebenwirkungen Angst, es zu Verwenden. Generell kann man sagen, daß sie nicht zwingend und bei der ersten Verwendung auftreten. Allerdings sollte bei längerem Einsatz mit ihnen gerechnet werden.
Bei einer kurzfristigen Einnahme – als lebensrettende Einmaldosis oder auch über einen Zeitraum bis zu 21 Tagen – sind praktisch keine Nebenwirkungen zu erwarten. Wird dagegen bei langfristiger systemischer Anwendung die sogenannte Cushing-Grenze überschritten, treten die typischen Nebenwirkungen auf. Eine Faustregel besagt, dass diese Grenze bei den meisten Patienten oberhalb von 5 mg Prednisolon pro Tag liegt (Prednisolon ist ein häufig verwendetes sogenanntes Glucocorticoid, ein synthetisches Analogon zum körpereigenen Produkt). Unterhalb dieser Grenze sind eigentlich keine Nebenwirkungen zu erwarten. Bei innerlicher Anwendung, aber auch bei langfristiger äußerlicher Verwendung von hoch dosierten Präparaten sind bekannt: Gewichtszunahme mit Vollmondgesicht, Bluthochdruck, Verringerung des Kalkanteils im Knochen,
Infektanfälligkeit und Zuckerstoffwechselstörungen. Bei äußerlicher
Anwendung sind die Verdünnung der Haut, Schwangerschaftsstreifen und hartnäckige entzündliche Hauterkrankungen um den Mund bekannt.
Hier wird meist die zu lange und zu intensive Behandlung mit Cortisol
verantwortlich gemacht. Dementsprechend wird angenommen, dass sie bei fachgerechter Therapie zu vermeiden sind. Zwischen Ihrem Arzt und Ihnen als Patient muss ein Vertrauensverhältnis entstehen. Dafür ist es wichtig, dass Sie mit Ihrem Arzt oder auch Apotheker alles besprechen, was Sie bewegt. Auch Vorbehalte, Gerüchte etc. müssen zur Sprache kommen. Wenn Sie als Patient gut informiert sind, kann die Therapie eine aktive Zusammenarbeit zwischen Ihnen und Ihrem Arzt werden. Beachten Sie folgende Ratschläge:
Eine Cortisolbehandlung darf nicht plötzlich beendet werden, sonst droht ein Rückschlag, der noch schlimmer sein kann als die Krankheit vor der Behandlung! Man spricht dann vom Rebound-Effekt. Die Behandlung sollte schleichend beendet werden, damit sich der Körper auf das Absetzen einstellen und gegebenenfalls die körpereigene Cortisolproduktion wieder erhöhen kann. Der optimale Zeitpunkt zur äußeren Anwendung sind die Morgenstunden; das verringert die Nebenwirkungen, da auch der Körper morgens am meisten Kortison produziert. In den späten Nachmittagsstunden wird der Juckreiz am schlimmsten, so dass mehrere Experten die Anwendung zu diesem Zeitpunkt befürworten. Bei der inneren Anwendung nehmen Sie
Cortisol morgens ein. Der Körper produziert selbst in der Zeit zwischen 5 und 8 Uhr am meisten davon und wird in dieser Zeit am wenigsten in seinem Rhythmus gestört.

Paracetamol – 2009 bis 2011

24. Juni 2011

Vor zwei Jahren, genauer am 1. April 2009 wurde Präparate, die pro abgabefertiger Packung mehr als 10 Gramm des Wirkstoffes Paracetamol (PCM) enthielten, der Verschreibungspflicht unterstellt. Ausgenommen wurden Suppositorien.

Strukturformel Paracetamol

Paracetamol

Warum wurde Paracetamol in Mengen über 10 Gramm verschreibungspflichtig?

In hohen Dosen kann PCM die Leber schädigen. In den früher üblichen, verschreibungsfreien Fertigarzneimitteln mit 30 Tabletten zu je 500 mg waren 15 Gramm des Wirkstoffes enthalten. Da es relativ günstig und praktisch überall verfügbar war, führte es die Hitliste der suizidal gebräuchlichen Wirkstoffe im Jahr 2009 an. Es sei darauf hingewiesen, dass nicht alle Fälle der Statistik in einem suizidalen Zusammenhang stehen, sondern Vergiftungen aufgeführt werden, also auch unbeabsichtigte Überdosierungen!

Auch wenn eine (unbeabsichtigte) Überdosierung nicht zum Tod führt, können schwerste Leberschäden zurück bleiben! PCM ist eine pharamkologisch wirksame Substanz, deren Gebrauch und Dosierung nicht ohne Beratung durch Fachpersonal erfolgen darf. Neuere Studien deuten darauf hin, dass der langfristige Gebrauch niedriger Dosen eventuell auch schädliche Wirkungen haben kann.

Was hat die Verschreibungspflicht von Paracetamol in Mengen über 10 Gramm gebracht?

Bis jetzt ist noch kein Trand zu erkennen, sicher wird aber die höhere Aufmerksamkeit und die bessere Aufklärung der Patienen zu einer Abnahme der PCM-basierten Suizidrate geführt haben.

Wer sich trotzdem mit der Einnahme großer Mengen Paracetamol schädigen will, kauft dann eben 2 Packungen mit je 20 Tabletten zu je 500 mg. Wäre der Gesetzgeber konsequent gewesen, hätte er alle Paracetamolhaltigen Präparate der Verschreibungspflicht unterstellt oder eben  keine und an den mündigen Bürger geglaubt … so wie bei Alkohol und Nikotin auch.

Packungsgrößenverordnung

8. Juni 2011

Der Wahnsinn zieht weitere Kreise. Bislang dachten meine Kollegen und ich, dass selbst die Berliner Bürokraten noch so etwas wie Vernunft besitzen …

Der Fall: Eine Patientin kommt in die Apotheke und legt ein Rezept von einem Kinderarzt vor. Dieser verordnet Dynexan, 10 g, N1.

So weit so gut; das Mittel ist seit Jahren bewährt, gut verträglich und wurde auch seit Ewigkeiten in der Normgröße N1 mit 10 g geführt. Damit ist es seit der neuen Packungsgrößenverordnung vorbei. dort werden die neuen Normgrößen seit 2011 angegeben mit N3 = 30 g, N2 = 20 g und, jetzt kommt es, N1 = 8 g! Nein, nicht etwa in logischer Folge zehn Gramm, sondern eben acht. Warum also dann nicht in umgekehrter Folge acht, sechzehn und vierundzwanzig Gramm? Normgrößen werden doch nach der Therapiedauer (Akut, subchronisch, chronisch) festgelegt. Aber bei Lidocainhaltigen Mundtherapeutika ist das etwas schwierig.

Doch hat das natürlich alles einen Sinn! Zahllose Bürokraten, selbstverständlich ohne die geringste Einsicht in die täglichen Abläufe des Apothekenbetriebs, haben hiermit ihre Existenzberechtigung wieder ein kleines Stück mehr zementiert. Mal ganz ehrlich Leute, wer in der Lage ist, mir einen vernünftigen, pharmakologischen oder pharmakotherapeutischen Grund zu nennen, gerade diese Einteilung gesetzlich festzulegen, bekommt eine Flasche Champagner!

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